Anfänge in den 90ern: Herausforderungen und Genossenschaftsgründung
Das Altschuldenhilfegesetz hat mit seinen Privatisierungsauflagen den Grundstein für einen großen Teil der Genossenschaftsneugründungen Mitte der 90er Jahre gelegt. Für viele Wohnungsunternehmen, die mit der Altschuldenthematik belastet waren, stellte die Erfüllung der Privatisierungsverpflichtung zur damaligen Zeit eine fast unlösbare Aufgabe dar. Der Wille der Bundesregierung, die Eigentumsquote in den neuen Bundesländern zu stärken, passte nur in den wenigsten Fällen zur Kaufbereitschaft bei den Mietern. Alternativen mussten her, um die Privatisierungsquote von 15 % des Bestandes zu erfüllen. Neben Paketverkäufen an Zwischenerwerber kristallisierte sich der von der KfW ebenfalls anerkannte Weg der Genossenschaftsgründung als der „Königsweg“ heraus.
Die Geburt der Wohnungsgenossenschaft Friedenshof
So auch in der altehrwürdigen Hansestadt Wismar. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH schob im Herbst des Jahres 1996 die Gründung einer neuen Mietergenossenschaft an. Insgesamt 1.360 Wohnungen wurden damals im Wohngebiet Friedenshof für den Verkauf an die Genossenschaft ausgewählt. Das Problem: Aus Mietern mussten erst einmal Mitglieder werden. Das heißt, es mussten Geschäftsanteile gezeichnet und von den zukünftigen Mitgliedern eingezahlt werden. Das ging nur durch offensive Überzeugungsarbeit und finanzielle Anreize durch Förderprogramme von Land und Bund. Alles drehte sich um die finanzielle Ausstattung der Genossenschaft mit ausreichend Eigenkapital durch die zukünftigen Mitglieder.
Eine Erfolgsgeschichte seit 1996
Am 13.11.1996 fand die Gründungsversammlung der Wohnungsgenossenschaft Friedenshof eG statt. Auf der Veranstaltung unterzeichneten 441 Mitglieder das Gründungsdokument der Genossenschaft und der frisch gewählte Aufsichtsrat bestellte den Vorstand. Seit dem blickt das Unternehmen auf eine lückenlose Erfolgsbilanz zurück. Aus der ursprünglichen Wohnungszahl sind mittlerweile 1.500 Wohnungen geworden. Ein Modernisierungsvolumen von über 20 Mio. € und Instandhaltungsaufwendungen im Bereich von rund 800 T € jährlich sind die in Zahlen ausgedrückten Eckpunkte einer kontinuierlichen Unternehmensentwicklung.
Blick in die Zukunft: Beständigkeit und Expansion
Aus heutiger Sicht war der von den Mitgliedern mehrheitlich gewählte Weg richtig. Die Bündelung der Mieterinteressen in ihrer Genossenschaft bot allen die gewünschte Sicherheit. Einzelprivatisierungen, wie es die eigentumsorientierte Satzung der Genossenschaft zuließe, waren während der ganzen Zeit nie ein Thema für die Mitglieder. Die beiden langjährigen Vorstandsmitglieder Birk Hellmann und Bernd Sommer gehen auch in den kommenden Jahren von einer stabilen Weiterentwicklung des Unternehmensbestandes aus. Bis heute sind Wohnungsabrisse kein Thema für den Vorstand. Stattdessen schauen der Aufsichtsrat und der Vorstand der Genossenschaft nach vorne und arbeiten intensiv an dem Ausbau der Genossenschaft. Dazu gehören die Planung von Sanierungs- und Umbauarbeiten an Objekten der Genossenschaft genauso wie die Erweiterung des Wohnungsbestandes.